On Tour

Spanien Mittelmeerküste mit einem VW T4 Multivan

In den Jahren 1999 bis 2002 sind wir fünf mal an der Costa Blanca gewesen, einmal mit „Abstecher“ an die Costa del Sol aus Witterungsgründen. 2010 sind wir nochmal da gewesen, so quasi zur Überprüfung, ob es immer noch so schön da ist. Ein guter Bekannter hatte dort ein Ferienhaus mit Pool und einem wunderschönen Garten. Das hat uns nichts gekostet außer ein paar Taler Strom. Der Ort hieß La Nucia. Es waren etwa 5km zum Strand mit dem Auto. Das erste Mal sind wir im Frühjahr 1999 nach Alicante geflogen und haben uns vom Flughafen abholen lassen. Ein Opel Astra gehörte mit zum Haus, also beschwert man sich auch nicht. Das zweite Mal, diesmal im Herbst 1999, sind wir dann gleich mit unserem Multivan TDi Classic mit Klima, Standheizung, Navi, Kühlbox, Küchenteil, Video im Fonds und noch ein paar anderen Features gefahren, weil man mit Kindern doch etwas mehr Equipment braucht. Und den Astra haben wir dann vor Ort als Zweitwagen zum Einkaufen usw. genutzt, man gönnt sich ja sonst nichts. In den Folgejahren waren wir dann jeweils im Frühjahr wieder dort. Es war wirklich unvergleichlich schön. 2001 kannten wir dann natürlich schon einiges, mussten dann aber kurzfristig in ein anderes Objekt ausweichen, weil er das Haus für richtig Geld verkauft hat. Er hat es mir noch angeboten, ich war aber gerade nicht mit einer halben Million flüssig, war damals aber noch DM. 2002 war es dann nach dem 5. Mal erst mal für ein paar Jahre Schluss mit Spanien, irgendwie kannte man alles in und auswendig und wir wollten auch mal etwas anderes sehen. Und dann haben wir die türkische Mittelmeerküste vielfach unsicher gemacht, von Izmir bis Adana und das sind auch eine ganze Menge Kilometer. Dazu aber demnächst mal ein anderer Beitrag.

Es gibt ja neben uns auch heute noch immer einige, die sich eine Fahrt nach Spanien mit dem Auto antun, auch wenn das vom geographischen Mittelpunkt Deutschlands aus bis an die Costa Blanca immerhin knapp 2.200km sind, wohlgemerkt eine Strecke. Fährt man dann vor Ort noch ein wenig herum und schaut sich das eine oder andere Städtchen an, ist man ganz schnell bei 5.000km Fahrtstrecke, wenn man wieder zuhause angelangt ist. Als Reisezeit haben wir den Hochsommer vermieden, sondern uns meistens über Ostern dort aufgehalten, einmal eben auch im Herbst. Gerade im Frühjahr ist die Blütenpracht unvergleichlich schön.

Wettermäßig hatten wir allerdings fast immer Glück, die Costa Blanca ist im Frühjahr oft ein Garant für nahezu sommerliche Temperaturen, was man auch daran ablesen kann, dass dort das klassische Überwinterungs-„Paradies“ für deutsche Rentner ist. Für mich wäre das nichts. Im Winter in jederlei Hinsicht nur tote Hose, kulturell, vom gesellschaftlichen Leben her und auch sonst. Warum soll ich mir das dann aufbürden? Ausgangspunkt / Standort während unseres Aufenthaltes war La Nucia im Hinterland von Benidorm oder Morraira, aber Calpe, Denia, Javea oder Alfaz del Pi bieten sich dafür genauso an. Für diejenigen, die das heute auch noch planen oder mit dem Flieger nach Alicante oder Valencia fliegen und sich dann vor Ort einen Mietwagen nehmen, ist dieser Beitrag gedacht.

Benidorm ist das Klein-Manhattan an der spanischen Küste. Hochhäuser dominieren das Stadtbild. Benidorm besitzt weltweit (!) gemessen an der Einwohnerzahl die größte Hochhaus-Dichte, aber Statistiken sind ja geduldig. Denn wenn bei gerade einmal 70.000 Einwohnern jährlich mehrere Millionen Urlauber dort preiswerten Pauschalurlaub verbringen und die ja auch untergebracht werden wollen, spiegelt sich dies in keiner Statistik wieder. Die englischen und deutschen Touristen stellen den mit Abstand größten Prozentsatz an Urlaubern pro Jahr. Es gibt vielleicht mit Ausnahme von Mallorca kein Reiseziel in Europa, wo man so günstig in der Nebensaison mal eben hinfliegen kann. Das Hotel sollte man sich natürlich vorher via Internet und den entsprechenden Votello-Bewertungen ziemlich genau in Augenschein nehmen. Und wenn man dann bereit ist, ein paar Abstriche hinzunehmen bei den Essensmanieren und dem Verhalten unseres Inselvolkes, kann man auch einen sehr erholsamen Urlaub verbringen. Tipp: Den Hotel-Pool den Engländern widerstandslos überlassen und entweder zu Fuß zum Strand oder eben mit Mietwagen/Bus einen schönen Ausflug durchführen.

Benidorm hat zwei nennenswerte jeweils 2,5 km lange Strände, die Playa de Poniente und die Playa de Levante. Bei beiden handelt es sich um sehr schöne, breite Strände, die in der Nebensaison selbst ganztägige Aufenthalte zum Vergnügen machen und das haben wir anderswo in Spanien oder Italien eher selten erlebt. Rings herum gibt es preiswerte Möglichkeiten zur Verköstigung tagsüber. Der Ort selbst ist in jedem Falle auch einen Besuch wert. Gute bis sehr gute Einkaufsmöglichkeiten vornehmlich in den Seitenstraßen, tolle Tapas-Bars und schöne Abend-Spaziergänge an der Strandpromenade runden das Bild positiv ab. Auch ein Besuch des Benidorm-Palace lohnt sich: Varieté ist angesagt und wirklich gut gemacht.

Javea liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Valencia und Alicante, jeweils ca. 100km Entfernung. Der Ort ist an einer größeren Bucht zwischen dem Cap de Sant Antoni und dem Cap de la Nau angesiedelt. Es gibt kleinere Buchten, aber auch ausgedehnte Strände. Nördlich von Javea erhebt sich der 750 m hohe Hausberg Montgó, an dem sich unterhalb zahllose Ferienhäuser auch gehobeneren Standards befinden.

Villajoyosa – zwischen Benidorm und Alicante gelegen – ist berühmt für seine bunten Häuser. Ich bin immer wieder gerne dort. Es empfängt einen stets eine fröhliche, beschwingte stimmung. Die Menschen auf der Straße sind freundlich und begegnen einem lächelnd, im Gegensatz zu den manchmal etwas distanziert gegenüber Touristen wirkenden Einheimischen in anderen Städten. Uns ist dies immer wieder aufgefallen. Einige Eindrücke durch ein paar Bilder in der Galerie.

Terra Mítica ist ein Vergnügungspark in unmittelbarer Nähe von Benidorm mit klassischen Fahrgeschäften, Wasserrutschen, Karussells und einer nicht gerade kleinen Holzachterbahn. Es handelt sich um einen Themenpark u.a. mit den Bereichen Ägypten, Griechenland, Rom und Iberische Halbinsel, welche alle um einen in der Mitte liegenden See angeordnet sind. Wir waren schon mehrfach dort, sowohl unmittelbar in den Jahren nach Eröffnung, als auch späterhin nach überstandener Pleite des Parkes, zuletzt in 2010 im Frühjahr.

Interessant war dabei, wie die Kinder in jeweils unterschiedlichem Alter auf den Park reagierten. Waren sie früher Feuer und Flamme und voller Entdeckungslust, konnten gar nicht genug bekommen mit der Folge, dass ein 2-Tages-Ticket gelöst werden musste, ist das heute anders. Im wesentlichen konzentriert sich das Interesse nur noch an den Fahrgeschäften mit „Kick“, die ich mir selbst echt nicht mehr antun will. Ich muss ja nicht den Helden spielen, wenn mir hinterher alles weh tut. Aber es hat auch sein Gutes: Lässt man die Kinder 3x Achterbahn fahren, spart man definitiv das Mittagessen. Der Themenpark ist jedenfalls der schönste im südlichen Europa, zwar deutlich kleiner als der Europapark in Rust, aber ein Tagesbesuch lohnt sich allemal. Mit kleineren Kindern (8-12) kann man auch ein 2 Tages-Ticket nehmen, wenn man den Frust aushält, dass die Knirpse nicht jedes Fahrgeschäft mitfahren dürfen, wenn Größenbeschränkungen vorliegen (>140 cm). Aber selbst für absolute Kleinkinder gibt es geeignete Spielbereiche. Quintessenz: Wenn man ohnehin mal da ist, sollte man einen Besuch nicht verpassen. Weitere Anreisen (> 2Stunden) lohnen allerdings nicht.

Alicante und Valencia sind Städte, die man einfach besucht haben muss, wenn man da in der Gegend ist. Alicante ist eine typische spanische Hafenstadt mit immerhin auch mehr als 2.000 Jahren Geschichte auf dem Buckel, von der man allerdings als Durchschnittsbesucher nicht gar so viel mehr bemerkt. Auffällig und zwar im positiven Sinne ist die Promenade Explanada de España, die aus Millionen kleiner Marmorsteinchen besteht und mit Palmen bestanden ist. Super Atmosphäre dort. Alicante ist auch von vielen Parks durchzogen, die die Stadt insgesamt sehr „grün“ erscheinen lassen.

Valencia hingegen ist wesentlich größer, das „Grüne“ der Stadt wird bestimmt durch ein ehemaliges Flussbett, welches zu einem Park umgewandelt wurde. Viele alte Bauten bestimmen das Stadtbild, die moderneren Bauten wurden architektonisch gut integriert. Man sieht der Stadt uns insbesondere ihren Bewohnern an, dass sie nicht zu den Ärmsten im Lande gehören. Die nachmittägliche Shopping-Tour der Damen in Designer-Klamotten bietet schon etwas fürs Auge des Betrachters und abends ist da echt was los, Flanieren, Restaurants, Bars usw., aber nicht gerade preiswert. Ich mag die Stadt.

Natürlich gibt es noch viele andere Städte in der näheren und weiteren Umgebung, wir sind von dort aus auch nach Elche und Granada gefahren, weil wir auch das Land ein wenig erkunden wollten. Einen Geheimtipp von mir will ich aber nicht vorenthalten: Guadalest, ein kleines Dorf in den Bergen im Hinterland an der Costa Blanca. Ich bin immer wieder gern da gewesen, tolle Aussicht, grandiose Fahrtstrecke dorthin, leckeres Essen unterwegs, die klassische Tagestour mit oder ohne Kinder.

Zur spanischen Mittelmeerküste gehört nicht nur die Costa Blanca, sondern insbesondere auch die Costa Brava mit Barcelona als der katalanischen Metropole. Dieser Stadt möchte ich jedoch einen eigenen Beitrag widmen, weil das diesen Rahmen bei weitem sprengen würde. Nur ein paar Bilder zum Anfüttern in der Galerie.

Auch die Costa del Sol darf nicht fehlen, auch wenn die Strecke bis dorthin heute kaum mehr jemand mit dem Auto macht, sind ja geschätzt noch mal 600-700 km mehr. Wir sind einmal in 2002 von der Costa Blanca geflüchtet, weil der Regen einfach nicht mehr aufhören wollte. Durch die Gewitterfront immer westwärts an der Küste entlang, an Almeria vorbei (lohnt sich nicht, nur zig Kilometer lange Orangenplantagen bis ans Meer heran reichend und alles mit Folie überdeckt). Irgendwo müssen ja die Millionen Liter O-Saft herkommen, das ist genau die Region (und natürlich Marokko).

Schön wurde die Gegend dann erst wieder ab Malaga bis etwa Marbella, wobei ich an die Tour nicht gerade gute Erinnerungen habe, denn mitten auf der Kreuzung in Malaga ist mir der VW Bus verreckt. ADAC und mehrtägige Versuche der örtlichen Werkstatt, den Wagen wieder flott zu bekommen, haben nichts gefruchtet, so dass der Wagen dann Huckepack nach Deutschland überführt wurde. Dort stellte sich dann heraus, dass meine Diagnose richtig war. Der Anlasser war defekt und hatte alles blockiert. Die hatten einen Motorschaden diagnostiziert und wollten mir einen Austauschmotor aufschwatzen. Ich habe mich geweigert, dem zu glauben und keinen Reparaturauftrag erteilt. Aber das alles würde Seiten füllen. Jedenfalls sind wir von Malaga bis Barcelona mit 2 Toyota Mietwagen auf Kosten des ADAC gefahren, bis wir dort dann 1 Ford Galaxy für die Heimfahrt bekommen haben. Eine Hälfte des Gepäcks mussten wir im Bus lassen, den wir dann 4 Wochen später bekommen haben und die ganze Karre hat nach Fisch gestunken, weil die Kinder unbedingt die kistenweise gesammelten Muscheln mit nach Hause nehmen wollten. Nach dieser Erfahrung habe ich den Bus dann reparieren lassen und verkauft, was wohl ein Fehler war, wie der Folgeurlaub 2003 in Portugal zeigte.

 

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