On Tour

Aufbau eines VW Cross Phaeton

Written by Dokafun / BenzOilMan

In einem meiner letzten Beiträge hatte ich von meiner Idee berichtet, eine Tour über die Türkei nach Georgien und zurück zu organisieren. Tatsächlich bin ich auf überraschend viel Zustimmung gestoßen. Der eine oder andere möchte an der Scouting-Tour teilnehmen. Schauen wir mal … Für mich jedenfalls steht die Entscheidung bereits. Ich werde die Tour irgendwann machen, wenn mir die Gesundheit nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Also gerät nunmehr der Fokus auf das passende Fahrzeug. Da es ja kein VW Bulli und kein Mercedes W123 ist, müsste ich mir ja eigentlich einen neuen Nicknamen einfallen lassen. Ich lasse es, zwei reichen (oben in der Autorenzeile).

Ich hatte zu dem passenden Fahrzeug ja bereits Überlegungen angestellt: „Das Fahrzeug sollte an die 20 Jahre oder älter sein, max. 5.000 € kosten ohne Reparaturen und Equipment, es sollte Allrad haben und keine wandelnde Schrottkarre sein. Ach so, es sollte kein Geländewagen sein und es sollte zuverlässig und unterwegs einigermaßen mit Bordmitteln oder kurzfristig beschaffbaren Ersatzteilen reparabel sein“. Wie ich bereits berichtet hatte, konzentrierte sich meine weitere Suche auf den VW Phaeton und zwar als Benziner in der VR6- bzw. R32-Variante. Gesagt, getan, gekauft. Zunächst einen Phaeton in lunablau von einem Händler in Northeim, den ich mit angeblichen Motorschaden gekauft hatte: Dieser entpuppte sich trotz der höheren Anzahl an Haltern als sehr schönes Fahrzeug, dessen Hauptproblem des unrunden Motorlaufes relativ schnell eingegrenzt werden konnte, nachdem er nach ein wenig Warmlaufen seidenweich agierte. Da war nix mit Motorschaden. Neuen TÜV drauf gemacht, elektrische Heckklappe repariert, Luftfahrwerk vorne links repariert, 20 Zoll-Felgen montiert. Die hatte ich noch von irgendeinem A8, sehen super aus. Und schon hatte ich ein eigenes Backup-Fahrzeug für das künftige E-Auto. Edit 03/2026: Ich habe ihn inzwischen wieder verkauft, weil ich einfach kein weiteres Backup-Fahrzeug mehr brauche. Die 20-Zöller habe ich aber behalten.

Ja, da war noch ein zweiter Phaeton in der gleichen Motorisierung, also ebenfalls der R32 mit 241 PS, Farbe schwarz, die meistverkaufte Farbe für den Phaeton. Den habe ich in der Nähe von Hannover geholt. Ein paar Mängel im Bereich der Vorderachse, das Navi-Display hatte Fehler und funktionierte nicht, eine bekannte Krankheit bei den VW Phaeton, ein Reifen hatte eine Beschädigung. Auch hier einschließlich Tausch des Displays (Das Infotainment- und Navigationssystem im VW Phaeton GP0 wird als ZAB (Zentrale Bedieneinheit) bezeichnet) alles in Ordnung gebracht, neuer TÜV und Auto zugelassen. Ich hatte ja noch ein paar reservierte Kennzeichen aus der CO-Serie frei, nun also mit der Zahl CO-333. Ich mag den R32-Motor einfach, toller Sound, erinnert mich entfernt an den Audi-5-Zylinder. Und dann dazu diese absolute Luxus-Karre. Den als Rallye-Fahrzeug aufzubauen, das hat was und zwar vom Audi 200 quattro, den Hannu Mikkola und Walter Röhrl bei der Afrika-Rallye in Kenia 1987 zu einem Doppelsieg geführt haben, eine „Chauffeurslimousine mit Klimaanlage“. Ist aber extrem ehrgeizig, das jetzt auf den VW Phaeton zu übertragen, das sage ich Euch schon mal vorab. Der hat nämlich nicht nur signifikant mehr Gewicht (ca. 1 Tonne!), sondern Luftfahrwerk anstatt Stahlfedern und irrsinnig viel Elektronik, die kaputt gehen kann. Ok, es sind seitdem fast 40 Jahre vergangen. Versuche ich halt mal wieder etwas, was noch keiner versucht hat, jedenfalls nicht auf diesem Niveau. Wäre auch nicht das erste Mal.

Wie bekomme ich den Phaeton höhergelegt? In den einschlägigen Internet-Foren belesen, gegoogelt und nicht wirklich etwas Sinnvolles gefunden, was man auch für „kleines Geld“ umsetzen kann. Dann bin ich auf die Idee gekommen, dass es den Phaeton ja auch mit dem deutlich schwereren 12-Zylinder-Motor W12 (2 verschachtelte VR6-Motoren, daher die Bezeichnung W) und 6 Liter Hubraum gegeben hat. Wie haben die das mit dem Fahrwerk geregelt? Ganz einfach, die haben einen Code programmiert und schon stand das Fahrwerk mit dem schwereren Motor genauso hoch wie die Phaeton mit den leichteren Motoren. Ich sage jetzt nicht, wie ich an den Code gekommen bin, aber ich habe ihn bekommen. Über die OBD-Schnittstelle programmiert und wie durch Zauberhand war er 20 mm höher, einfach nur g .., ähm gut. Dazu größere Reifen/Räder vom Audi A8 mit 235/60/17 auf neuwertigen Winterreifen und ich hatte eine weitere Höherlegung von 12 mm. Das reichte mir für den benötigten Einsatzzweck aus. Und wenn nicht, der Phaeton bietet bei der Fahrwerkseinstellung auch noch die Option „Höherlegung“ für Feldwegfahrten usw. Das sind nochmal 20 mm Reserve für Passagen mit Schrittgeschwindigkeit, nicht für Dauerbetrieb. Ich will ja nicht die Antriebswellen schrotten. Damit müsste ich dann sogar kleine Furten durch Bäche etc. passieren können. Wir werden sehen …

Was brauchte es noch? Einen Unterfahrschutz, habe ich mir aus Tschechien bestellt, passte natürlich nicht. Da mir der Aufwand zu groß war, das Teil zurückzuschicken, müssen noch neue Bohrungen gesetzt, Halter angefertigt und montiert werden. Damit wären nach meiner Vorstellung Motor und Getriebe vor Steinschlag etc. geschützt. Ich wollte ja kein Offroad-Vehikel bauen, mit dem ich zu klassischen Geländewagen in Konkurrenz trete, sondern – wie schon der Name Cross Phaeton in Anlehnung an die anderen gleichnamigen Modelle von VW sagt – eher in die Tauglichkeit der Befahrung von auch etwas gröberen Feldwegen gelangen, ohne Sorge vor Schäden am Unterboden zu haben oder stecken zu bleiben.

Dann noch ein wenig an der Optik gefeilt, ja, dazu gehörte natürlich auch wieder das Thema Zusatzscheinwerfer und den Alubügel vorne als Kennzeichenhalter. Desweiteren einen Hauben-Bra in schwarz und ein Folien-Set in Camouflage silber/gold/anthrazit. Über Geschmack lässt sich wie immer streiten. Dazu noch eine erkleckliche Anzahl von Aufklebern aus dem Bereich „Motorsport“ und schon stand die Karre einigermaßen aufgehübscht da. Dann habe ich noch zwei Dachträger (original Phaeton) bei Ebay-Kleinanzeigen besorgt, das Dachzelt probehalber montiert und mir etwas zum Thema Reserverad einfallen lassen. Damit war ich eigentlich zu 95% fertig. Dazu kommt mal ein separater Beitrag, weil ich eine alte Idee (über die Anhängerkupplung) von mir umgeändert habe und das wirklich gut funktioniert hat, also quasi für jedes Auto mit AHK umsetzbar ist. …

Hier war mal ne Weile Pause, das Auto stand bis 06/2026 im Showroom eines Autohauses. Es ging nicht weiter, zuviele andere Planungen und Baustellen. Jetzt hat das Autohaus einen anderen Nutzer bekommen und ich musste all meine Karren dort entfernen. Wo bekommt man kurzfristig den Platz her? Nicht wirklich einfach. Es standen dort 2 Benze, der Quattroporte und der Phaeton in der Halle und draußen 4 Lancia Ypsilon und 1 T4 Doppelkabine. Ok, muss ich mal wieder ausmisten. 2 Lancias kommen in den Schrott, waren eh nur noch Teileträger, nachdem sie ihren Dienst getan hatten. Noch die teuren Scheinwerfer und die Kühlergrills usw. abgeschraubt, ein neues „Lancia-Regal“ im Lager gewidmet und das Thema war gelöst. Der verbliebene rote Lancia Ypsilon wird an die Seite gestellt, der kommt später dran. Alles andere kommt in den Flow, beide Benze frisch getüvt, den orangen Rallye-Benz zuvor noch repariert, da war ja die Wagenheberaufnahme auf der Afrika-Tour durchgebrochen und dahinter trat nen Eimer Bauschaum zutage. Krass.

Ach so ja, der Phaeton: Der hatte noch TÜV bis September 2026, 1 3/4 Jahr stand er also da einfach nur rum, gänzlich ungenutzt. So geht das nicht. Also wird das Ding jetzt finalisiert. Wieder mal Werbung machen. Vielleicht geht es nicht gleich in die Türkei oder nach Georgien. Schauen wir uns erst einmal im Balkan um. Da läuft im September eine Tour von offthebeatentrack oder München-Barcelona goes east. Das passt mir zeitlich. Meine Lieblingsbeifahrerin hat mir aber gleich nen Vogel gezeigt. 4.000 km in 9 Tagen plus Hinfahrt nach München und Rückfahrt von Griechenland per Fähre nach Italien und dann wieder nach Hause. Da kommen dann nochmal 1.800 km dazu und ein paar Tage auch.

Jetzt nochmal mein Ursprungskonzept kritisch hinterfragt und komplett mit Hilfe von KI neu gedacht, wobei ich von allein auf All Terrain umgestellt habe, um nicht die gleichen Probleme wie in Marokko zu bekommen, hier nicht wegen der Hitze, sondern wegen der relativ ungeschützten Flanken gegen spitze Schottersteine und natürlich weg von den Alufelgen, die nicht biegen, sondern brechen. Die einzige Option, die ich zu einem vernünftigen Kurs gefunden habe, waren 17 Zoll Stahlfelgen vom Mercedes Vito 447:

Und die KI antwortet: „Das klingt nach einem gut durchdachten und maßgeschneiderten Umbau für deine Rally-Pläne! Die Erhöhung der Bodenfreiheit über die Luftfederung durch Anlernen an den W12-Motorcode ist ein cleverer Weg, um die Federungshöhe ohne weitere mechanische Veränderungen zu erhöhen. Damit stellst du sicher, dass die Federung komfortabel und passend eingestellt ist. Die Kombination aus größeren 17-Zoll All-Terrain-Reifen (235/60) und der ausreichenden Freigängigkeit im Radhaus ist optimal für unterschiedliche Straßen- und Offroad-Verhältnisse auf einer Balkan-Tour. All Terrain Reifen bieten den nötigen Grip auf Schotter, Matsch und unbefestigten Wegen, während die Größe noch gut zum Fahrzeug und der Radhausgröße passt. Der Wechsel von Alufelgen auf robuste 17-Zoll Stahlfelgen vom Mercedes Vito 447 spricht ebenfalls für eine gute Praxis: Stahlfelgen sind widerstandsfähiger und weniger anfällig für Beschädigungen bei härterem Geländeeinsatz – ein Vorteil auf abenteuerlichen Strecken.

Zusammenfassung deines Umbaus: Bodenfreiheit: ca. 20 mm mehr durch Softwareanpassung der Luftfederung, Reifen: 235/60 R17 All Terrain, gute Geländetauglichkeit, Felgen: robustere Stahlfelgen für mehr Belastbarkeit. Mit diesem Setup sollte dein VW Phaeton gut gerüstet sein für eine Balkan-Tour bei einer Jedermann-Rally, die auch Schotter- und Offroad-Passagen enthält. Natürlich bleibt der Komfort eines Phaetons erhalten, und du hast eine bessere Gelände-Performance.“

Aha, dafür brauche ich jetzt nicht wirklich künstliche Intelligenz. Aber es geht weiter, nachdem ich auf Nachfrage genauere Daten angegeben habe mit 2007 GP0, Luftfahrwerk, 4-Motion, 180.000 km, die Balkan-Variante mit 4.000 km:

„Mit diesen Daten würde ich den Ansatz etwas ändern. Ein Phaeton GP0 (2007), 3.2 VR6, 4Motion, 180.000 km ist technisch deutlich robuster als sein Ruf. Für eine 4.000-km-Balkan-Rallye würde ich mich nicht primär auf die Elektronik konzentrieren, sondern auf die wenigen Bauteile, die tatsächlich zum Ausfall führen können. 

Priorität 1: Luftfahrwerk

Das Luftfahrwerk ist bei Deinem Fahrzeug mit Abstand das größte Risiko. Vor der Rallye prüfen: Restdruckverlust über Nacht messen, Kompressor-Laufzeiten mit VCDS auslesen, Lufttrockner erneuern, Luftleitungen auf Scheuerstellen prüfen, Höhensensoren prüfen, Ventilblock auf Dichtigkeit prüfen. Wenn der Kompressor bereits häufig läuft oder das Fahrzeug nach mehreren Stunden sichtbar absackt, würde ich vor der Rallye handeln.

Notfallausrüstung mitnehmen: Relais für Luftfahrwerk, Sicherungen, VCDS oder OBDeleven, kleiner 12-V-Kompressor mit Adapter, Druckluftschlauch und Steckverbinder. Der häufigste Rallye-Ausfall ist nicht der Balg selbst, sondern ein alter Kompressor oder ein undichter Ventilblock.

Priorität 2: Kardanwelle und Mittellager

Beim 4-Motion sehe ich hier mehr Risiko als bei der Elektronik. Prüfen: Mittellager, Hardyscheibe, Spiel der Gelenke. Eine beschädigte Kardanwelle kann die Rallye sofort beenden.

Priorität 3: Kühlung des VR6

Mit 180.000 km würde ich prophylaktisch ersetzen: Thermostat, Kühlmitteltemperaturgeber, Keilrippenriemen, Spannrolle, die Wasserpumpe würde ich zumindest auf Undichtigkeiten kontrollieren.

Priorität 4: Batterie-Strategie

Bei Deinem Fahrzeug würde ich nicht auf Ein-Batterie-System umbauen. Stattdessen zwei neue identische AGM-Batterien, gleiche Kapazität, gleicher Hersteller, Produktionsdatum möglichst identisch, ca. 95–105 Ah AGM, zusätzlich Masseband Motor ↔ Karosserie erneuern, Massepunkte reinigen, Ruhestrom messen. Das bringt mehr Zuverlässigkeit als ein kompletter Umbau.

Priorität 5: Wasserabläufe

Der eigentliche Phaeton-Killer. Vor dem Start Wasserkasten unter Windschutzscheibe reinigen, Abläufe öffnen, Abläufe Schiebedach prüfen, Kofferraumwanne kontrollieren, Teppiche anheben und Feuchtigkeit prüfen. Viele angebliche „Elektronikprobleme“ sind in Wahrheit Feuchtigkeitsschäden.

Steuergeräte – meine Empfehlung

Nicht anfassen Motorsteuergerät, Getriebesteuergerät, Gateway, ABS/ESP, Allradsteuerung, Bordnetzsteuergerät, Kombiinstrument

Kann man deaktivieren: Navigation, Telefon, CD-Wechsler, TV-Modul, Sprachsteuerung, Reifendrucksystem (falls fehlerhaft), Park Distance Control

Würde ich trotz Rallye nicht deaktivieren: Klimaautomatik. Die Klima zieht kaum relevante Leistung, hilft aber enorm gegen Beschlag und Übermüdung.

Ersatzteile – meine Empfehlung

Zündspule, Kurbelwellensensor, Nockenwellensensor, Kraftstoffpumpenrelais, Relais 460/433 (je nach Ausführung), Luftfahrwerksrelais, Luftfahrwerkssicherung, Keilrippenriemen, VCDS-Dongle, OBD-Kabel, Kabelbinder, Panzerband, Schrumpfschlauch, Crimpverbinder

Wenn das erledigt ist, würde ich einem 2007er Phaeton mit 180.000 km deutlich mehr zutrauen als vielen modernen SUVs mit komplexer AdBlue- und Assistenztechnik. Das eigentliche Risiko liegt bei diesem Modell meist nicht in der CAN-Kommunikation, sondern in Luftfahrwerk, Spannungsversorgung und Feuchtigkeitseintritt.“

Spannend, das war jetzt schnell. Vieles von dem sehe ich genauso und werde ich auch so machen. Ja, die Teileliste ist unvollständig, die Prüfliste auch. Mir fehlt z.B. noch ganz viel dazu, das Luftfahrwerk ausfallsicher zu machen bzw. mittels Bypasslösung ein händisches Aufpumpen und Sperren zu ermöglichen. Aber für 2 ½ Monate ist das trotzdem noch ganz schön viel Arbeit … demnächst mehr.

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